Styleclicker
München und der Rest der Welt
Der Styleclicker zu Gast bei red-tab.com
Seit etwas über drei Jahren betreibt der Münchner Halb-Schwede Gunnar Hämmerle aka Styleclicker seinen gleichnamigen Streetfashion Blog www.styleclicker.net. Dieser ist inzwischen eine feste Größe in der Streetfashion Blogosphäre mit Fans aus der ganzen Welt.
Gunnar, woher kommst Du und wohin gehst Du?
Von unten, nach oben.
Sind deine Bilder Kunst oder Dokumentation?
Darüber mache ich mir keine Gedanken, das sollen andere beurteilen. Ich fotografiere einfach Menschen auf meine Art und Weise.
Erzählt Street-Style-Fotografie mehr über die Mode oder den Ort an dem sie aufgenommen ist?
Sie erzählt in erster Linie von den Menschen.
Wie viel verrät Kleidung heute überhaupt noch über einen Menschen?
Bei vielen Menschen, wahrscheinlich der Mehrzahl, verrät die Kleidung nicht allzu viel. Uniformiertheit, um nicht aufzufallen, in die Masse einzutauchen. Die eigene Note geht verloren. Diejenigen, deren Kleidung noch etwas aussagt über sie, die sind interessant.
Sieht man mal von den klassischen Modemetropolen ab, an welchem Ort würdest Du gerne fotografieren, an dem noch nie warst?
Auf jeden Fall in Island. Mich reizt die magisch anmutende Landschaft dort als Kulisse. Und ich glaube, die Leute dort haben ihren total eigenen Stil, vielleicht ähnlich wie die Leute in Helsinki, wo ich kürzlich war. Man kümmert sich einfach nicht um irgendwelche Konventionen.
Triffst Du auf Leute, die nicht fotografiert werden möchten?
Klar, kommt auch vor. Allerdings sehr selten. Die meisten Leute freuen sich und sehen es als Kompliment wenn ich sie fotografiere.
Ist Streetstyle Fashion oder Anti-Fashion? Ist die Straße heute überhaupt noch der richtige Platz für den Protest?
Die Straßen sind der Ursprung, hier beginnt der ganze Zyklus der Mode. Designer haben sich schon seit jeher dort ihre Inspirationen geholt. Das war schon immer so, nur dass heute jeder über das Internet dabei sein kann. Was die Leute tragen kann Protest sein, muss aber nicht. Die wirklichen Avantgardisten sind frei von dem was andere Leute tun oder über sie denken. Sie machen einfach ihr Ding.
Gehst Du selbst zu Defilees?
Ich fahre zu den Schauen, aber primär, um die Leute drum herum zu fotografieren. Die Defilées selbst schau ich mir nur selten an.
Erkennst Du Trends der Laufstege auf der Straße wieder?
Ich befasse mich nicht mit Trends. Kann ich nicht sagen.
Welche Designer schaffen für Dich die Brücke zwischen elitärer, geschmackvoller Couture und pop-kulturell geprägter Streetstyles?
Henrik Vibskov.
Immer mehr Mode wird heute im Museum gezeigt und bei Designern wie Hussein Chalayan wird die Kleiderpräsentation zur performanceartigen Aufführung. Eine begrüßenswerte Entwicklung?
Ich find´s gut, Mode und Kunst passen gut zusammen. Es geht um kreative Schöpfung, um Ästhetik, die Art der Präsentation.
Hat eine Modenschau kulturelle Relevanz?
Natürlich, jegliche künstlerische Ausdrucksform hat für sich kulturelle Relevanz. Es ist nur immer die Frage, wie groß diese Relevanz im Einzelfall ist.
Ist die Inszenierung auf dem Laufsteg inzwischen wichtiger geworden als die Mode selbst?
Das gehört zusammen, denn schließlich geht es nicht nur um die Kleidung, sondern auch um das Image einer Marke.
Was ist die Zukunft des Laufstegs? Schicken irgendwann Labels – statt Modelle über den Catwalk- Opinion Leader mit ihren Entwürfen durch die Straßen?
Normale Menschen wie du und ich als Modelle zu nehmen ist auf jeden Fall eine Option. Mehr und mehr Firmen erkennen das auch. Denn ein hohes Maß an Echtheit bewirkt ein großes Identifikationspotential für andere.
Tragen wir die Kleidung oder trägt die Kleidung uns?
Die Kleidung sollte immer nur Beiwerk sein.
Betrachtet man den Erfolg deines Blogs: Visionär oder Glückskind?
Glücklicher Visionär.
Was machst du?
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